Knochengeschenke bei Lee Mingwei: 禮 Li, Geschenke & Rituale

1. - 6. Juli 2020 zu Gast im Martin Gropiusbau

KnochenFundStücke:
Filigrane, zerbrechliche Konstruktionen mit rauen Oberfächen. Wunderbar haptische Formen. Schwere Knochen. Federleichtes. In Weiss, Violett, Moosgrün, Rostrot, pastelligem Orangegelb. So vieles ist möglich. Abhängig von der Lebensdauer und -geschichte nach dem Tod. Denn sie leben weiter nach dem Tod. Bereichern unsere Sinne mit ihrer Formenvielfalt. Manigfaltigen Konstruktionen. Unerschöpflich vielen Oberflächen und Farben. Aufgehängt im Wind können sie auch singen. Für mich sind es Kunstwerke. Durch ihre funktionsbedingten Formen ebenso, wie die durch Zeit, Umgebung sowie Witterung bedingten Veränderungen in Form und Farbe. Mit der Zeit werden sie durch den permanenten Zerfall immer abstrakter. Das lässt ihre Herkunft in den Hintergrund treten. Durch die immerwährende Veränderung bleiben sie lebendig und sind für mich ein Synomym für das Leben schlechthin.

So war es für mich ein Geschenk, eine kleine Auswahl meiner Knochenfunde eine Woche lang im LIVING ROOM interessierten Menschen zu präsentieren. An drei Tagen konnte ich als Gastgeberin vor Ort meine Begeisterung mit den Besuchern persönlich teilen. Die Gespräche waren sehr vielseitig, alltagsbezogen und philosophisch gleichermaßen.

Zu Haus  sind die Knochen Teil meines Alltags: z.B. bereichern sie im Garten installiert den natürlichen Kreislauf. So ich kann mich an der permanenten Veränderung erfreuen und mich inspirieren lassen von ihrer Vielfalt.

In Lee Mingweis Arbeiten werden immaterielle Gaben wie Lieder, Gespräche und Raum für Kontemplation verschenkt und empfangen. Ansatzpunkt seiner Projekte sind häufig persönliche Begegnungen, auf deren Basis der Künstler Installationen entwickelt. Lees Auseinandersetzung mit Erfahrungen, in denen Zeit verschenkt wird, bedingt seine Faszination für das Gastgeben. Im Herbst 2019 hat der Künstler daher Open Calls veröffentlicht, um Berliner*innen als Gastgeber*innen in seine kommende Ausstellung einzubinden. Im Rahmen des Projekts The Living Room sind diese Gastgeber*innen eingeladen, ihre persönlichen Sammlungen auszustellen (...) Diese Prozesse begründen einen gemeinsamen Erfahrungsraum, der gegenseitigen Austausch sowie heilende und fürsorgliche Rituale erlaubt.